ALL ist neuer Amex Transferpartner im Juli 2026
American Express hat in Deutschland einen neuen Transferpartner freigeschaltet: Seit dem 6. Juli 2026 kannst du deine Membership Rewards Punkte zu ALL Accor Live Limitless übertragen, dem Bonusprogramm der Accor Hotelgruppe. Klingt erstmal gut. Ob sich das für dich lohnt, hängt aber stark davon ab, was du mit deinen Punkten vorhast. Ich rechne dir das hier einmal ehrlich durch.

Die Fakten zum neuen Accor Transfer
Der Transfer läuft im Verhältnis 3:1. Aus drei Membership Rewards Punkten wird also ein ALL Punkt. Los geht es ab 900 Membership Rewards Punkten, übertragen wird in Dreierschritten, und die Gutschrift dauert laut Amex bis zu einen Werktag. Die Option steht allen Karten mit Membership Rewards offen, also der Green, Gold und Platinum Card genauso wie den Business Varianten Gold und Platinum.
Damit hat das deutsche Membership Rewards Programm jetzt vier Hotelpartner: Hilton Honors, Radisson Rewards, Marriott Bonvoy und neu eben ALL Accor. Auf dem Papier sieht Accor mit 3:1 wie das schlechteste Angebot aus. Aber Vorsicht: Transferverhältnisse allein sagen nichts aus. Ein ALL Punkt ist deutlich mehr wert als ein Hilton Punkt. Entscheidend ist, was am Ende in Euro dabei herauskommt. Genau diesen Vergleich ziehen wir gleich.
Was ein Membership Rewards Punkt bei Accor wert ist
ALL funktioniert anders als Hilton oder Marriott. Es gibt keine Award Charts und keine Freinächte für feste Punktebeträge. Stattdessen ziehst du deine Punkte direkt von der Hotelrechnung ab: 2.000 ALL Punkte bringen dir 40 Euro Rabatt. Ein ALL Punkt ist damit ziemlich genau 2 Cent wert, ohne Rechentricks und ohne Glück bei der Verfügbarkeit.
Beim Verhältnis 3:1 bleiben davon rund 0,66 Cent pro Membership Rewards Punkt übrig.
Accor gegen Hilton, Marriott und Radisson: der Wertvergleich
Die entscheidende Frage ist, wie sich Accor gegen die drei anderen Hotelpartner schlägt. Hier der direkte Vergleich pro Membership Rewards Punkt:
| Hotelprogramm | Transferverhältnis | Wert pro MR Punkt | Wertschwankung | Transferboni |
|---|---|---|---|---|
| ALL Accor NEU | 3:1 | konstant ca. 0,66 Cent | Keine – fester Rabatt auf die Hotelrechnung | Bisher keine bekannt |
| Hilton Honors | 1:1 | ca. 0,5 bis 0,8 Cent | Hoch – dynamische Punktepreise | Regelmäßig 25–30 %, dadurch über 1 Cent möglich |
| Marriott Bonvoy | 3:2 | ca. 0,3 bis 0,8 Cent | Hoch – Peak- und Off-Peak-Preise | Selten |
| Radisson Rewards | 1:2 | ca. 0,4 bis 0,8 Cent | Mittel – kaum echte Sweetspots | Selten |
Accor liefert mit rund 0,66 Cent einen garantierten Wert ohne Rechnerei. Das ist mehr, als du bei Hilton oder Marriott im schlechten Fall bekommst, aber weniger als deren Obergrenze. Wer gezielt spielt, also Resorts mit hohem Cashpreis bucht und Transferboni mitnimmt, holt bei Hilton deutlich mehr raus. Bei meiner Einlösung im Hilton Amingiri auf den Malediven lag der Wert bei 1,15 Cent pro Punkt, fast das Doppelte des Accor-Werts. Dafür brauchst du bei ALL weder Prämienverfügbarkeit noch Timing noch eine Bonusaktion. Kurz gesagt: Accor ist die planbare Mitte, Hilton der Hebel für Könner. Wie du bei Hotel-Einlösungen generell das Maximum herausholst, habe ich dir in diesem Artikel im Detail aufgeschlüsselt.
Zur Einordnung nach oben: Airline Transfers bringen im Schnitt rund 1,7 Cent pro Punkt, bei Business und First Class Sweetspots sind 2 bis 4 Cent drin. Jeder Hotel Transfer bleibt also zweite Wahl, wenn du mit deinen Punkten eigentlich fliegen willst.
Für wen der Accor Transfer trotzdem Sinn ergibt
Jetzt die ehrliche Einordnung, und die fällt differenzierter aus, als die reine Centrechnung vermuten lässt. Accor ist in Europa die mit Abstand präsenteste Hotelgruppe. Ibis, Novotel, Mercure, Pullman, Sofitel: Gerade wer mit der Familie in Deutschland, Frankreich oder Spanien unterwegs ist, übernachtet oft sowieso in einem Accor Haus. Und weil ALL Punkte wie Guthaben auf die Rechnung wirken, brauchst du keine Prämienverfügbarkeit, keine Blackout Dates und keine Planung Monate im Voraus.
Der Transfer ergibt für dich Sinn, wenn mindestens einer dieser Punkte zutrifft:
- Du übernachtest ohnehin regelmäßig bei Accor und willst deine Hotelkosten senken, statt auf den perfekten Prämienflug zu sparen
- Du hast einen Punkte-Restbestand, der für keinen sinnvollen Airline Transfer mehr reicht
- Du willst Punkte flexibel und ohne Verfügbarkeitsstress einsetzen, zum Beispiel für spontane Familienwochenenden
Wenn dein Ziel dagegen Business Class für die ganze Familie ist, lass die Finger davon. Jeder Punkt, der zu Accor wandert, fehlt dir später beim Flug, wo er das Doppelte bis Sechsfache wert wäre.
Und bevor du jetzt sagst, aber hey die Deutsche Bahn ist doch Transferpartner von ALL und ich kann jetzt Membership Rewards Punkte zur Deutschen Bahn übertragen und damit Bahnfahrten in der ersten Klasse buchen, vergiss es schnell wieder. Denn du machst dabei über 80% Verlust. Denn deine Amex MR Punkte überträgst du schon 3:1 zu ALL und von dort nochmal 2:1 zur Deutschen Bahn. Das macht in Summe 6:1 von Amex MR zur Deutschen Bahn und das sind rund 85% Verlust.

Was die Willkommensboni bei Accor bringen würden
Zur Veranschaulichung habe ich die aktuellen Willkommensboni der drei privaten Amex Karten einmal komplett zu ALL umgerechnet (Stand Juli 2026, gerundet):
| Karte | Bonus | ALL Punkte | Hotelguthaben |
|---|---|---|---|
| Amex Green | 10.000 Punkte | ca. 3.300 | ca. 65 Euro |
| Amex Gold | bis zu 50.000 Punkte | ca. 16.700 | ca. 335 Euro |
| Amex Platinum | bis zu 85.000 Punkte | ca. 28.300 | ca. 565 Euro |
565 Euro Hotelguthaben allein aus dem Platinum Bonus klingen ordentlich. Zur Wahrheit gehört aber: Derselbe Bonus bringt dir über einen Airline Transfer regelmäßig einen Gegenwert von 1.500 Euro und mehr. Die Tabelle zeigt also die bequeme Variante, nicht die beste.
Alle Membership Rewards Transferpartner im Überblick
Mit Accor wächst die Partnerliste weiter. Bei den Airlines sind die Verhältnisse deutlich attraktiver:
- Air France KLM Flying Blue (5:4)
- British Airways Club (5:4)
- Iberia Plus (5:4)
- SAS EuroBonus (5:4)
- Cathay Asia Miles (3:2)
- Delta SkyMiles (3:2)
- Qatar Airways Privilege Club (3:2)
- Singapore Airlines KrisFlyer (3:2)
- Emirates Skywards (2:1)
Dazu kommen die vier Hotelprogramme aus dem Wertvergleich oben. Und über den Umweg PAYBACK kannst du deine Punkte weiterhin indirekt zu Miles & More schieben.
Mein Fazit
ALL Accor ist eine sinnvolle Ergänzung für das deutsche Membership Rewards Programm, aber kein Grund zur Euphorie. Mit konstant 0,66 Cent pro Punkt liegt der Transfer im Mittelfeld der Hotelpartner: planbarer als Hilton und Marriott, aber ohne deren Sweetspot-Potenzial nach oben. Und klar schlechter als jeder ordentliche Airline Transfer. Ich sehe den neuen Partner vor allem als praktisches Ventil für Restpunkte und für alle, die ohnehin ständig in Accor Hotels übernachten. Wer dagegen das Maximum aus seinen Punkten holen will, plant weiter mit den Airline Partnern. Genau das ist übrigens der Kern des Meilengames: nicht die bequemste Einlösung nehmen, sondern die richtige.
